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23. Februar 2012
 

Verschollen am Kap

 
Nadja Bobyleva, Barbara Auer, Heino Ferch (Rollen: Karla Lohmann, Judith Lohmann, Claas Lohmann). Quelle: ZDF
Nadja Bobyleva, Barbara Auer, Heino Ferch im Zweiteiler

Verschollen am Kap

"Plötzlich ist nichts mehr so, wie es vorher war"

Ein Gespräch mit Barbara Auer, Nadja Bobyleva und Heino Ferch

Ein ökologisch hochbrisantes Thema sowie anspruchsvolle und sehr vielschichtige Charaktere zeichnen den Polit-und Familienthrilller "Verschollen am Kap" aus. Die drei Hauptdarsteller Nadja Bobyleva, Barbara Auer, Heino Ferch spielen eine Familie, die durch unvorhersehbare Konflikte einer Zerreißprobe ausgesetzt ist. Diese Darstellung stellte besondere individuelle Anforderungen an die Schauspieler.

 
 
 
 

ZDF: Heino Ferch, Barbara Auer, Nadja Bobyleva, Sie spielen die Familie, die im Mittelpunkt von "Verschollen am Kap" steht. Welche Gründe waren für Sie ausschlaggebend, bei diesem Film mitzuwirken?

Zitat

„ Das Thema in einem fiktionalen Film aufzugreifen, war längst überfällig.“

Heino Ferch

Heino Ferch: Die Idee, die Privatisierung von Ressourcen als Wirtschaftsthriller in Verbindung mit einer privaten Entführungsgeschichte zu erzählen und zu zeigen, was das mit einer Familie macht, gab bei mir den Ausschlag. Das Thema, wie Ressourcen auf der Welt verteilt werden, in unserem Fall ist es Wasser, welche politischen Interessen dahinter stehen und wie Macht missbraucht wird, wenn Geld, wenn wirtschaftspolitische Interessen im Spiel sind, fand ich sehr spannend. Das Thema in einem fiktionalen Film aufzugreifen, war längst überfällig.

Barbara Auer: Es kommt leider nicht oft vor, dass eine Geschichte und vor allem die einer Familie in einem politischen Kontext steht. Das hat mir an diesem Drehbuch auf Anhieb sehr gefallen. Es war aber vor allem die Dynamik, die das Verschwinden der Tochter innerhalb der Familie auslöst, die mich reizte, diese Rolle anzunehmen. Dass plötzlich nichts mehr ist, wie es vorher war.

Nadja Bobyleva: Ich fand die Geschichte interessant, weil ich von einer Wasserprivatisierung in dem Maße vorher noch nie gehört hatte. Ausschlaggebend war für mich aber, dass ich eine sehr vielschichtige Rolle spielen durfte. Meine Figur konnte rebellisch sein, sich verlieben, sie wurde belogen und verfolgt, sie durfte fröhlich und dann wieder völlig verzweifelt sein. Diese Figur war eine große Herausforderung für mich.

 

ZDF: "Verschollen am Kap" ist ein Polit- und Familienthriller. Was war für Sie die emotional anstrengendste Szene in diesem Film?

 

Heino Ferch: Meine Figur Claas ist ein sehr ehrgeiziger und hochqualifizierter Strategiemanager, der genau weiß, was er tut. Und er ist verführbar. Der größte Schock für ihn ist, als er erfährt, dass ihm das Liebste, nämlich sein Kind, genommen wurde, weil jemand seine Planspiele verwirklicht hat. Er muss sich mit den Fragen auseinandersetzen: Was habe ich falsch gemacht? Bin ich schuld? Bin ich verantwortlich für die Entführung meiner Tochter? Wird meine Familie mir vergeben? Auf Claas lastet ein enormer Druck. Diese Zerrissenheit glaubhaft darzustellen in dem Moment, in dem er von Klaras Verschwinden und den Zusammenhängen erfährt, war für mich eine besondere, große Herausforderung.

Zitat

„Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mich dieser Moment so umhaut, dass mich die eigenen Ängste als Mutter so einholen. “

Barbara Auer

Barbara Auer: Für mich war es ein Moment, den ich beim Lesen des Drehbuchs erst gar nicht als solchen empfunden hatte: die Szene, als ich meine Tochter vor dem Hotel stehen sehe, hinter ihr her renne und sie wie vom Erdboden verschwunden ist. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mich dieser Moment so umhaut, dass mich die eigenen Ängste als Mutter so einholen.

Auch die drei Tage, an denen wir im Township Khayelitsha drehten, waren unglaublich anstrengend. Es war, als doppelten sich die Eindrücke, die Gerüche, die Geräusche. So als wäre nicht nur meine Figur Judith überfordert, sondern auch ich persönlich. Es war, als ob Judith und Barbara in diesen Situationen eins wären.

 

Nadja Bobyleva: Bei mir war es die Szene, in der ich immer wieder unter Wasser gedrückt wurde, um zu erzählen, wo die Wasserprobe ist. Das war wahnsinnig anstrengend zu spielen, da es so echt wie möglich aussehen sollte. Deshalb habe ich versucht, meine Angst und meine Gegenwehr zum Ausdruck zu bringen. Ich hoffe, es ist gelungen, denn sieben Sekunden ohne Luft können wirklich sehr lang sein, wenn man sich währenddessen körperlich verausgabt. Nach diesem Drehtag war ich zwei Tage lang heiser.

 

ZDF: Claas hinterlässt überall eine Spur von Unbehagen, spätestens als klar ist, dass er zumindest für das Planspiel "Operation Kranich/ Schwarzes Wasser" verantwortlich zeichnet. Gleichwohl mindert das nicht die Sympathie für diesen Mann. Ist Claas schuld an den Ereignissen, die ihren Lauf nehmen?

Heino Ferch: Das kann man eben nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantworten. Claas ist ja selbst entsetzt darüber, dass sein Husarenstück von jemand anderen umgesetzt wurde. Und er weiß noch nicht einmal von wem. Hier kann man grundsätzlich über die Frage diskutieren, ob man sich schon mit einem Gedanken oder erst mit einer Tat schuldig macht.

Barbara Auer: Er macht den großen Fehler, dass er nicht offen mit seiner Frau spricht. Er lässt sie mit ihren Ängsten allein. Er erzählt ihr ja zunächst nicht, dass er der eigentliche Urheber dieses perfiden Plans ist. Judith trägt aber auch ihren Anteil an Claas' Schweigen. Sie führte bislang ein gutes, privilegiertes Leben, sie musste sich um vieles nicht kümmern. Als aber ihre Tochter in Afrika verschwindet und sie spürt, dass ihr Mann etwas damit zu tun hat, ist es, als ob man sie wach gerüttelt hätte. Ihr wird plötzlich bewusst, dass sie über die Geschäfte ihres Mannes gar nicht viel weiß, dass sie generell oft weggesehen und weggehört hat. Der eigene Mann ist ihr plötzlich fremd, sie weiß nicht, ob sie ihm noch trauen kann, sie weiß eigentlich gar nicht, wem sie überhaupt noch trauen kann.

Nadja Bobyleva: Ich finde nicht, dass der Vater daran schuld ist, dass seine Tochter entführt wurde. Klar, die Entführung ist eine Folge seines theoretischen Plans. Aber er wurde ja selbst hintergangen.

ZDF
: Herr Ferch, ist Claas am Ende geläutert?

Heino Ferch: Ich denke schon. Im entscheidenden Moment zieht er ja die Konsequenzen und macht die unsauberen Machenschaften, die Absprachen, öffentlich. Für Claas hätte es keinen anderen Weg geben können. Das Angebot, in einer Art Gentlemen's Agreement weiterzumachen, schlägt er aus, er lässt sich nicht erpressen und ebnet dadurch den Weg für einen Neuanfang, beruflich wie privat. Die Familie muss herbe Rückschläge verkraften, Fragen nach Vertrauen und Misstrauen, nach Schuld und Unschuld drängen sich auf.

 

ZDF: Geht die Familie aus Ihrer Sicht gestärkt aus dieser Geschichte heraus?

Barbara Auer: Zwischendurch hielt ich es für undenkbar, dass Judith und Claas jemals wieder zusammenfinden würden. Nach dieser Erfahrung kann man nicht nahtlos anschließen, dafür ist zu viel passiert. Natürlich haben wir am Set darüber diskutiert, ob die beiden wohl zusammenbleiben. Vielleicht haben sie eine Chance, aber es braucht seine Zeit.

Heino Ferch: Für mich ist es eher ein Pakt, den die beiden schließen. Das, was passiert ist, hat schließlich einen großen Riss durch die Familie gezogen. Beide müssen ihre Beziehung neu überdenken. Es ist ihnen klar geworden, dass sie viele Jahre aneinander vorbei gelebt haben und nicht offen zueinander waren.

 

Nadja Bobyleva: Karla ist dadurch erwachsen geworden und ich verstehe auch, warum sie wieder nach Afrika zurückgeht und sich weiterhin politisch engagiert. Das ist eine ganz natürliche Schlussfolgerung. Ich frage mich aber, ob sie jemals das Vertrauen zu ihrem Vater zurückgewinnen kann. Die Beziehung zur Mutter war stabil und innig, da wird sich nichts ändern, aber zwischen ihr und ihrem Vater ist doch einiges zerbrochen.

ZDF: Sie waren für die Dreharbeiten zwei Monate in Südafrika. Wie haben Sie die Zeit, wie das Land wahrgenommen?

Barbara Auer: Es war eine wahnsinnig intensive Zeit mit vielen neuen Erfahrungen und Eindrücken. Man kann das gar nicht alles wiedergeben. Ich erinnere mich zum Beispiel noch gut an den Tag, an dem wir in einem Kindergarten drehten. Dieser war in mehreren Containern untergebracht und das einzige Spielzeug, was zu sehen war, stammte von unserer Requisite, war also für unseren Film. Wie absurd! Ein kleiner Junge spielte unentwegt mit dem abgebrochenen Unterteil eines Plastikmännchens. Die Kinder waren mehr oder weniger sich selbst überlassen, die anwesenden Erzieherinnen saßen einfach nur daneben. Und dennoch waren die Kinder unglaublich fröhlich. Auch wenn die älteren in ihren Schuluniformen aus den ärmlichsten Hütten kamen, stimmte einen das bei aller Trostlosigkeit hoffnungsvoll. Ja, die Schuluniformen als Zeichen für Bildung gaben Hoffnung.

Zitat

„Man tut dem Land unrecht, es ausschließlich mit Armut und Aids zu verbinden.“

Heino Ferch

Heino Ferch: Diese acht Wochen waren ein großes Erlebnis für uns alle. Ich habe Dreharbeiten selten so intensiv erlebt. Das lag sicher auch an Andreas Senn, der ein sehr kommunikativer, intelligenter und fröhlicher Regisseur ist, und an Barbara, die ein Geschenk ist! Aber es lag auch an dem großartigen Land und seinen Menschen. Man tut dem Land unrecht, es ausschließlich mit Armut und Aids zu verbinden.

 

Nadja Bobyleva: Anfangs war es schwer, mich an das Land zu gewöhnen, wegen der offensichtlich doch noch vorhandenen Rassentrennung. Mit der Zeit habe ich es aber durch die Herzlichkeit der Menschen dort gelernt zu lieben. Das Faszinierendste für mich waren die Kinder im Township-Kindergarten. Im Gegensatz zu unseren Kindern haben sie kaum etwas. Und ihre - trotz der Umstände - riesige Freude und Unbedarftheit beeindruckten mich. Es war eine großartige Erfahrung.

 
 
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Barbara Auer und Heino Ferch

Video starten Ungeschminkte Zustände in Südafrika

Barbara Auer und Heino Ferch über den Film